2011 – NL – Zuid Afrika -> Sudan

Auf in den Sudan!

…das hat mal ein Weilchen gedauert,… das ist Afrika 🙂

Am Samstag (24.09) haben wir unsere Motorraeder verladen. Mit einigen anderen Overlandern treffen wir uns beim monopolinhabenden Oberorganisator Mr. Salah und regeln diversen Papierkram und Bezahlung. Die Tickets fuer die Personenfaehre gibt es erst morgen. Warum? Ist so! Wiederkommen! Na klar, nicht so viel auf einmal, waere ja zu einfach… Ach was waren alle froh, als die Fahrzeuge die Rampe hoch und fertig verladen waren!

Ein besonderes Highlight war der Traktor, der von ca. 20 Leuten hochgeschafft wurde. Gezogen und geschoben… ein Schauspiel und Teamwork der besonderen Art. Oben sind dann leider noch ein paar Teile von ihm abgefallen. Das gute Stueck ist sicher 40 Jahre alt! Und jetzt steht ihm eine grosse Zukunft im Sudan bevor… vorrausgesetzt natuerlich, er kommt die Rampe an einem Stueck wieder runter.
Am Montag dann mit dem Taxi zum Hafen. Ausstempeln und durch den Zoll. Das uebliche Procedere, vielleicht ein bissl viel mehr los. Mit uns wollen noch 622 Andere auf das Boot, das urspruenglich 400 Personen transportieren sollte/duerfte. Ha, aber doch nicht hier! Natuerlich sind Alle mitgekommen. Man rueckt halt zusammen. Erlaubt: 60kg Gepaeck pro Person. Tatsaechlich haben die Leute groesstenteils sicher 200kg mitrumgehieft. Ein Geschleppe, Gedraenge und Geschupse, teilweise panisch und agressiv! Das Beste: Alle mussten mit Ihrem Zeug durch eine einzige Tuer. Ich denke, die hat es zu einem spaeteren Zeitpunkt ganz sicher noch aus den Angeln gehoben.
Eine Stunde spaeter waren wir dann auf dem Boot, auf der Suche nach einem schattigen Plaetzchen, das wir gluecklicherweise auch gefunden haben. Nach weiteren 6,5 Stunden warten und beobachten, was und wer da alles noch wie verladen wird, setzt sich das Boot in Bewegung. Yeah! Unseren Luxusplatz, vor der Bruecke und der Nase des Kapitaens, muessen wir jetzt verlassen. Da gibt es auch keine Diskussionen. Also packen wir uns zwischen all die Anderen. Eng wars und gemuetlich ist anders, aber irgendwie haette es auch schlimmer werden koennen. Zum Beispiel unter Deck.Was fuer ein Mief. Wir verzichten mal darauf, unseren Essensvoucher im “diningroom” einzuloesen. Auch ich! 🙂
Als es dunkel wird, versucht sich jeder physisch und psychisch auf diese Nacht vorzubereiten.

Ward in der Haengematte, Martin auf der Luftmatratze und ich auch irgendwie.
Unglaublich, aber ich musste in den 24h, die wir auf dem Wasser waren nur einmal die “sanitaeren Anlagen” aufsuchen. Ein Glueck. Die konnten es unhygienetechnisch mit Allem aufnehmen, was bisher geschah… Martin konnte es sich gaenzlich verkneifen. Hut ab!
…was so Alles im Nasserstausee rumschwimmt… Hausmuell natuerlich – wir sind ja im umweltunbewusstesten Afrika unterwegs! Am Ende der Fahrt wurde auf dem Boot nochmal n bissl “klarschiff” gemacht. Jemand sammelte unsere Flaschen und Kekspackungen ein. Ordnung muss sein! Und schwupps, so schnell konnten wir nich protestieren, ab ueber die Reeling. Bis jetzt konnten wir uns nicht ueberwinden unseren Kram auf diese Weise selbst zu entsorgen. Mal sehen, ob die Integration hier auch diesbezueglich gelingen wird.
Wadi Halfa,.. das ist ja grad mal ein Doerflein. Wir sind mit Magdi (der hier fuer uns ein paar Sachen regeln will – unser “Fixer”!) zum Hotel und schauen uns anschliessend mal um. Viel gibt’s hier echt nicht. Abends was essen gehen (mit den Anderen Wartenden), noch ‘n Tee und ab ins Bett.
Am naechsten Tag: Papierkram regeln und auf die Fahrzeuge warten… lekker Tee trinken, Falaffel, Melone, Tomaten, Kaese und Brot verzehren, bissl plaudern und im Schatten – gerne mit Wind – verweilen.
Niemals wuerde ich zu Hause so lange nichtstuend rumhaengen koennen. Aber hier faellt es mir gar nicht so schwer.
Ward und Martin sind heut schon n bissl unruhig und vermuten, dass uns die Fahrzeuge vorenthalten werden, um den Tourismus hier zu beleben. Lach… koennte sein! Sie gehen der Sache mal auf den Grund und heuern einen Fahrer zum Hafen an. Der Plan: Wenn die Fahrzeuge da sind, unserem “Fixer” Dampf machen. Er hat schliesslich fuer heute die Einfuhr versprochen. Na dann mal los…
Leider wurden uns die Fahrzeuge nicht vorenthalten. Gaehnende Leere am Hafen.
Anscheinend hat das Schiff ein Motorproblem und kann nur sehr langsam fahren. Ich vermute, das ist seit 20 Jahren so.
Wir bleiben noch eine Nacht und hoffen auf morgen!
Abends ist es dann soweit. Gegen 18h haben wir die Motorraeder wieder. Endlich. Zu spaet zum Losfahren. Wir bleiben noch einen Nacht. Andere Mitwartende haben noch einen schoenen Brechdurchfall bekommen, wir sind nur beklaut worden.
Morgens noch n kleines Fruehstueckchen und auf die Strasse.

Es geht gut asphaltiert bis hinter Dongola.
Unser erstes Wildcamp. Iris und Wolfram sind mit von der Partie. Die Beiden sind mal weg (aus Deutschland) auf (unbestimmte) Zeit und noch dazu so herzlich und humorvoll. Wir verbringen mit Ihnen einen von einigen sehr schoenen abenden.

Am naechsten Tag fahren wir bis nach Atbara. Sehr viele Kilometer, bei bis jetzt ungeschlagenen 44Grad. Extrem! Sogar Martin hat das Visir runtergetan. Desert Road. Viel Sand: gelb, rot und braun. Berge: nicht befahrbar, karg, aus Sand und Felsen. Ab und zu ein paar Ziegen, Esel und Kamele, die sich an kleinen trockenen Straeuchern und Baeumchen laben. Sehr wenig Verkehr. Wenn ich weiter hinten fahre, flimmern Ward und Martin vor mir her und spiegeln sich im Teer. Am Horizont sieht es aus, als stuenden die Baeume im Wasser. Aber da ist natuerlich kein Wasser. Nur Wueste!
Am Abend haben wir ganz schoen was geschafft.

Auf dem Weg von Atbara nach Khartoum (02.10) veraendert sich die Landschaft. Es wird gruen. Von saftig kann keine Rede sein. Hier wird gelandwirtschaftet und Vieh gehalten. Ziegen- und Rinderherden ziehen mit Ihren Hirten durch die Gegend. Nutztierkadaver in allen unterschiedlichen Verwesungsstadien saeumen die Strasse bis nach Khartoum, die Hauptstadt des Sudan.

Von hier geht es am naechsten Tag nach Gedaref. Die Strasse ist geteert, jedoch ein Schlaglochslalom. Die meisten lassen sich gut umfahren. Einige wenige hab ich aber auch richtig schoen mitgenommen. An der Grenze lassen sich wider Erwarten alle Angelegenheiten schnell regeln und wir kommen nach Aethiopien.
Die Landschaft ist wunderschoen. Saftig gruen. Die Strasse schlaengelt sich toll durch die Berge. In den kleinen Doerfern sind ueberall Menschen und Tiere auf den Strassen. Das heisst: sehr gut aufpassen. Die Kinder rennen immer dicht an die Motorraeder und winken euphorisch. Bisher hab ich nur einen Jungen einen Stein nach mir werfen sehen. Nicht getroffen, aber das soll wohl noch mehr werden. Schaun wir mal.
Die Temperatur ist in den letzten 4 Stunden von 38 auf 21 Grad gesunken. So schnell, wieder ganz anders!
Der Himmel wird pechschwarz und wir dann mal nass. Regenoverall raus… doch nicht umsonst mitgeschleppt.
Die letzten 75 km bis nach Gorgora geht es offroad. Ei, ei, ei, das wird interessant fuer mich. Am Anfang bin ich doch sehr angespannt, aber spaeter geht’s super und macht viel Spass. Yeah!
O.k. o.k. Ohne mich waeren die Maenner vielleicht 2 min. schneller bei Kim und Tim am Tanasee gewesen 😉
Hier ist es toll. Ein kleines Paradies fuer Traveller. Ganz ruhig. Wir treffen liebe Leute wieder.
Morgen gibts ne Fahrpause und wir werden mal n bissl entspannen, bevor es dann in den Norden und weiter in die Berge geht.

Viele Gruesse von Martin, Ward und Kathrin